140728 0325 2Lebensqualität und Freiheit

Über dieses Thema haben wir uns mit Malou Schleimer, einer früheren profesionnellen, klassischen Tänzerin und heutigen Yoga- und Pilates-Lehrerin unterhalten.

Malou, Du hast als professionelle Tänzerin gearbeitet. Wie kamst Du dazu, Tänzerin zu werden?

Ich konnte mich als Kind nicht gut konzentrieren und hatte (zu) viel Energie. Um dem entgegen zu wirken, haben meine Eltern mich als Sechsjährige am Städtischen Konservatorium im Ballett eingeschrieben. Mir gefielen die körperliche Bewegung und die Kreativität, die mit dem Tanzen verbunden ist, auf Anhieb.
Mit 15 Jahren hatte ich meinen Abschluss im klassischen und modernen Tanz (Prix Supérieur) in der Tasche, und ging dann ins Ausland zur Weiterbildung und zum Arbeiten in diversen Tanzensembles. Ich war vor allem in Frankreich (Paris), habe aber auch in andern Ländern getanzt.
Tanzen war meine Passion, meine Welt. Natürlich hatte ich Glück, dass meine Eltern mich immer in meiner Leidenschaft unterstützt haben.

Inmitten der Pubertät, was ja allgemein eher als eine schwierige Phase im Leben bezeichnet wird, gab mir das Tanzen Spaß und Freude, zudem Harmonie und ein inneres Gleichgewicht. Die täglichen Trainingsstunden waren meine schönsten Momente im Alltag. Man kann schon sagen dass ich atmete und lebte, um zu tanzen.

140728 0013 2Ich kann mir vorstellen, dass ein solcher Beruf auch einengend sein kann, in dem Sinn, dass man unglaublich diszipliniert sein muss, in vielen verschiedenen Bereichen (Ernährung, Zeiteinteilung, Lebensrhythmus, Freunde, …). Wie lernt man, mit solchen Einschränkungen umzugehen? Was hat Dir persönlich geholfen, Dich in diesem „herausfordernden Beruf“ wohl zu fühlen?

Ich bin mit diesen Einschränkungen groß geworden. Ich hatte so viel Freude und Spaß am Tanzen und für mich hat das alles immer dazu gehört, so dass die Einengungen mir eigentlich nichts ausgemacht hat. Wenn Du tanzt, dann „musst“ Du es gerne machen, sonst kann es nicht funktionieren. Ich bereue nichts, denn ich sehe es (auch heute noch) als Schule fürs Leben. Durch mein tägliches Training habe ich gelernt, mich selbst gut zu organisieren, um schon sehr früh Schule und Tanzen unter einen Hut zu kriegen.

Ich wusste schon sehr früh, was ich im Leben wollte: ich hatte mein Ziel, ich wollte tanzen. Was meine Freundinnen in der Schule betraf,… sie haben eigentlich immer gut akzeptiert, dass ich halt schon früh Verpflichtungen hatte, und nicht mit ins Kino kommen konnte, da ich mal wieder Training hatte. Von den Jungs kam manchmal schon ein blöder Kommentar, aber das hat mir wenig ausgemacht.
Die Freude am Tanzen hat für mich eigentlich alles wettgemacht – ich hatte nie wirklich das Gefühl, dass ich etwas verpasse oder mich schrecklich einschränken muss.

Die Konkurrenz in einem solchen Beruf ist extrem hoch. Was hat Dir geholfen, im Kopf frei zu bleiben und nicht im Druck unterzugehen?

Im klassischen Tanz, also im Ballett, ist die Konkurrenz tatsächlich extrem hoch. Wenn Du die Gisèle oder den Schwanensee tanzen willst, ist es körperlich eine wahnsinnige Herausforderung. Außerdem sind im Ballett die Choreographien rigide, es gibt hier kaum Freiraum für Kreativität.

Anders ist es jedoch im modernen und zeitgenössischen Tanz oder im Jazzdance: hier kann eine Karriere länger sein und man gehört mit 40 oder 42 noch nicht zum alten Eisen. Hier kann man/frau eher seine Lebenserfahrung und seine Reife einbringen; hier zählen vielmehr Ausdruck und Kreativität.

Da für mich Tanzen mein Leben war, hat mich die Freude an dem was ich tun konnte und durfte, das Glück, einen Beruf zu haben, der mich glücklich macht, eigentlich gut und sicher durch jeden Druck und alles Konkurrenzdenken geleitet.

5) Ist es Dir schwer gefallen, die Tanzschuhe an den Nagel zu hängen, oder hast Du gespürt: „Die Zeit ist jetzt gekommen, etwas anderes zu machen“?

Als ich aus dem Ausland nach Luxemburg zurückkam, habe ich gespürt dass meine Zeit des professionellen Tanzens zu einem Ende gekommen war. Es ist keine Verletzung, die mich dazu „gezwungen“ hat, mit meiner Tanzkarriere aufzuhören, sondern es war meine freie Entscheidung. Im Ausland hatte ich bereits begonnen, Yogakurse zu belegen.

Als ich nach Luxemburg zurückkam, habe ich selbst, für mich, abends Kurse belegt, während ich tagsüber am Konservatorium und in Tanzschulen unterrichtet habe. Während drei Jahren habe ich mich sogar in einem Bürojob versucht, aber das ist nicht meine Welt. Das Unterrichten hat mir sehr viel mehr Freude gemacht, also habe ich weiter Yoga- und Pilates-Ausbildungen belegt, weil es für mich schön und wichtig ist, mein Wissen und meine Erfahrung in diesen Bereichen weiter zu geben.
Meine „Tanzzeit“ war eine wunderschöne Zeit, die ich nicht missen möchte und niemals bereut habe, doch das Leben geht weiter. Momentan sind meine Kurse mein Erfüllung: ich mag den Kontakt zu den Menschen und gebe gerne mein Wissen weiter.

140728 0058 2Heute bist Du Yoga- und Pilates-Lehrerin. Inwieweit trägt Yoga, für Dich, zur inneren Freiheit bei?

Yoga ist eine Lebensphilosophie und eigentlich braucht man sein Leben lang, um Yoga zu verstehen und zu erlernen (man lernt nicht aus, im Yoga, sondern ist ein Leben lang Schüler).

Wir leben in einer hektischen Gesellschaft, wo alles immer schneller läuft. Als Menschen brauchen wir aber auch physische und mentale Entspannung, nach all diesen täglichen (An)spannungen. Wir Menschen brauchen Ruhe, heute mehr denn je: eine Zeit, wo Du Dich um Dich selbst kümmerst, wo Du einfach nur Du selbst sein kannst. Kaum jemand sitzt aber heute noch zu Hause rum und tut nichts. Hier kommt Yoga ins Spiel: über die Atmung, beispielsweise, und Yogaübungen, findest Du zu Dir zurück.

Das heißt aber sicher nicht, dass jetzt jeder Yoga machen sollte, oder dass ich jeden zum Yoga „bekehren“ will (lacht).

Jeder Mensch ist anders und so braucht auch jeder Mensch etwas anderes, um zufrieden und glücklich leben zu können. Ich finde, dass jeder Mensch sich die Zeit nehmen sollte, das zu finden, was er, ganz individuell gesehen, braucht und was ihm Spaß macht. Wir haben die Tendenz, uns in der Gesellschaft zu verlieren, und manchmal blind einer Mode zu folgen, die aber vielleicht gar nicht zu uns passt. Manchmal bedarf es auch Mut, anders zu sein und das zu machen, was einen erfüllt, egal ob die große Masse dasselbe macht, oder es eher eine „Nischenaktivität“ ist.

Das Tanzen hat mich schon relativ früh dazu gebracht, meinen Weg zu gehen, ungeachtet dessen, was zu jener Zeit, als Kind und Jugendliche, „in“ war. Das formt das Selbstbewusstsein, bereits in jungen Jahren.

Wie frei fühlst Du Dich heute in Deinem Leben?

Ich versuche, in meinem Leben Dinge zu machen, die mir Freude bereiten. Früher habe ich mit Begeisterung getanzt, heute macht das Unterrichten mich glücklich. Meiner Erfahrung nach gibt das, was Freude bereitet, inneres Gleichgewicht und innere Ruhe. Dadurch fühle ich mich zufrieden und ausgeglichen, und gleichzeitig frei.

Malou Schleimer, wir danken Dir für dieses Gespräch! Herzlichen Dank an Patrick Muller für die Photos!

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