HOPE - Erster Fastensonntag

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         Erster Fastensonntag - 1er Dimanche de Carême

 

Gerechtigkeit - über das subjektiv Notwendige und das objektiv Festgelegte

Gerechtigkeit, ein Wort, das die Menschheit immer wieder in Atem hält und das menschliche Zusammenleben bestimmt. Auch zur Zeit des hl. Franz von Assisi rückt die Frage nach einer gerechten Weltordnung immer stärker ins Bewusstsein der Menschen. Das aufstrebende Bürgertum, das damals herrschende Lehnswesen, die ungleichen Verhältnisse zwischen arm und reich, brachten den jungen Mann in eine tiefe Sinnkrise. Vom Evangelium geleitet, lässt er sich nach einem intensiven Suchprozess zu den Ausgegrenzten führen. Er verzichtet auf Besitz und Ansehen, teilt das Leben mit den Armen und wird selbst einer von ihnen. Die gelebte Solidarität bleibt zeitlebens für Franz von Assisi und seine Bruderschaft ein Kriterium beim Streben nach „mehr“ Gerechtigkeit. Nach seinem Verständnis gipfelt sie in Gott und strömt aus Gottes barmherziger Liebe. Mit seiner geschwisterlichen und barmherzigen Haltung eifert Franziskus Jesus nach und stellt die gängige Sicht von Gerechtigkeit auf den Prüfstand des Evangeliums.

gubbio wolf baddeDie Weite seines Denkens und Handelns wird in der Legende „Der Wolf von Gubbio“ deutlich. Nach Franziskus Verständnis haben alle Geschöpfe ein Anrecht auf Gerechtigkeit. Die Legende zeigt anschaulich, dass Geben und Nehmen leitende Maxime seines Handelns ist. Im Unterschied zu den Bewohnern der Stadt Gubbio tritt Franz dem Wolf gewaltfrei gegenüber, erkennt, warum dieser sich so aggressiv verhält, stellt sich ihm und seinen Bedürfnissen. Er spricht das beiderseitige Unrecht an und findet eine gerechte Lösung für die Stadt Gubbio und für den Wolf gleichermaßen: in gegenseitiger Verantwortung für das Lebensnotwendige zu sorgen. Wenn alle Geschöpfe das zum Leben Notwendige haben, dann herrscht Gerechtigkeit und es braucht keinen Krieg, dann küssen sich Gerechtigkeit und Friede, wie es der Psalmbeter ausdrückt (Ps 85,10).

Franz von Assisi ist ein glaubwürdiger Zeuge der liebenden und barmherzigen Gerechtigkeit Gottes. Von ihm wird berichtet, dass er nachts aufstand, um mit einem Bruder, der vor Hunger schrie, den Hunger und das Brot zu teilen. Solidarisch mit dem Bruder, musste jener sein Gesicht nicht verlieren und sich schämen, weil er nicht dem Anspruch des Fastens entsprach. Eine kleine Geste mit einer großen Wirkung! Der Heilige Franz zieht das subjektiv Notwendige dem objektiv Festgelegten vor. Ihm geht es nicht darum, dass alle gleich viel bekommen, sondern dass jedem das Entsprechende zum Leben gegeben wird, selbst wenn dadurch Regeln gebrochen werden.

Bis zu seinem Tod bleibt Franziskus ein Anfänger und Querdenker, der in den Wirren und Spannungen seiner Zeit den Hunger und Durst nach Gerechtigkeit spürt: in sich selbst, in seiner jungen Gemeinschaft und in allem, was ihm begegnet. Durch sein Leben ermutigt uns Franziskus, den Hunger und den Durst nach Gerechtigkeit zu bewahren und nicht zu verdrängen. Sie darf weder aus dem eigenem Herzen, noch aus der Kirche und Gesellschaft verbannt werden. Solange die Gerechtigkeit als Hausgenosse mit uns wohnt (Jes 1, 21), in unserem Suchen, in unserem Miteinander, haben wir Leben und Zukunft, denn sie ist nach dem Propheten Amos wie ein nie versiegender Bach (Am 5,24). Und dieser strömende Bach wird für alle zugänglich sein und den Durst nach Gerechtigkeit löschen.

Sr Doro an Sr Helene 1Franz von Assisi hat das gelebt, was in Jesus Christus greifbar geworden ist und wonach sich die Welt sehnt: nach einer Gerechtigkeit ohne Waage, nach einer barmherzigen Gerechtigkeit.

 

Sr. Dorothe-Maria Lause und Sr. Helene Zimmer
Franziskanerinnen von der Barmherzigkeit, Luxembourg Belair

 Franziskus mit dem Wolf von Gubbio ©Robert Baddé

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