Deelen – Partager: eine wahrhaft gute Idee!
„Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen.“ Was der bekannte deutsche Autor Thomas Mann hier in Bezug auf die Fantasie sagt, kann genauso gut auf die Ideen bezogen werden. Auch diese werden nicht gut, indem sie gedacht sind, sondern indem sie umgesetzt werden. Und hierin hat „partage.lu – Bridderlech Deelen“ eine lange und gute Erfahrung. Zusammen mit ihren Partnern vor Ort wurden in den vergangenen 50 Jahren viele gute Ideen ausgedacht, entwickelt und umgesetzt, so dass „partage.lu - Bridderlech Deelen“ heute auf viel Erreichtes mit einer gewissen Genugtuung zurückblicken kann.
Dennoch bleibt noch immer sehr viel zu tun. Das materielle Ungleichgewicht und die wirtschaftliche Ungerechtigkeit in der Welt, die Situation von vielen Völkern und Menschen in den weniger bemittelten Gegenden unserer Erde, die Armen und Hungernden der Welt fordern uns immer wieder heraus, neue Ideen und Projekte zu entwickeln und zu fördern, die direkte Hilfe und Hilfe zur Selbsthilfe möglich machen.
Besonders die Fastenzeit erinnert uns jedes Jahr erneut daran, die Augen gerade für die Armen und Ärmsten zu öffnen. Die Worte des Propheten Jesaja sind deutlich: „Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdrückte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen? Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen?“ (Jes 58,6f). Diese Worte fordern uns heraus, auch in dieser Fastenzeit unseren Blick ganz bewusst für unsere Brüder und Schwestern zu öffnen, die Hilfe und unsere Unterstützung brauchen. Die biblische Tradition und unser christlicher Glaube erkennen in den Armen die Bevorzugten Gottes. Der Blick auf sie muss unsere Herzen berühren und aufrütteln, er muss uns in unserem Handeln bewegen und fordern, er muss uns dazu bringen, unsere Herzen weit zu öffnen und konkret tätig zu werden, um den Armen dieser Welt neue Hoffnung, einen Ausblick auf eine gute Zukunft in Gerechtigkeit zu schenken, und ihnen dabei auch die Möglichkeiten zu geben, diese Hoffnungen zu verwirklichen und ein besseres Leben zu erreichen. In diesem Sinne dürfen wir die Armen verstehen als ein Geschenk: sie sind uns anvertraut, damit wir zusammen mit ihnen und für sie eine Welt aufbauen, in welcher die Armut nicht nur eine stets zu bedauernde Wirklichkeit ist, sondern in welcher die Bemühungen wachsen und nie nachlassen, nach sozialer Gerechtigkeit zu streben und Armut zu bekämpfen.
In diesem Sinne möchte ich auch dieses Jahr wieder dazu aufrufen, die Fastenzeit als eine bevorzugte Zeit mit den Armen zu verstehen. Sei es durch individuelle Spenden, sei es durch konkrete Fastenaktionen in den Gemeinschaften und Pfarreien, sei es durch bewusstes Wahrnehmen der verschiedenen Projekte der „partage.lu - Bridderlech Deelen“,… auf vielen Wegen können und sollen wir die diesjährige Fastenaktion mit ganzer Kraft und unseren Mitteln unterstützen: „D’Welt ass voller gudder Iddiën. Ënnerstëtzt se!“ So zahlreich wie die guten Ideen in der Welt sind, so zahlreich können auch die Formen sein, mit welcher diese Ideen umgesetzt werden. Ja, beteiligen wir uns alle daran – eine wahrhaft gute Idee!
+ Jean-Claude Hollerich
Erzbischof von Luxemburg







