Gedanken zum Plakat

 

GUDDIDDIEN plakat Mail Internet Hier das Bild eines so natürlichen Mädchens, das mit der verkehrt aufgesetzten Sonnenbrille mutig und entschieden in unsere Welt herüberblickt – und dort die unzähligen Bilder von entwürdigten und erniedrigten Menschen, von den Lazarussen unserer Zeit, von denen Papst Franziskus in seiner Fastenbotschaft 2017 schreibt. Wir brauchen diese Bilder! In den Zeitungen, in den Fernsehnachrichten, in den sozialen Medien. Und wir dürfen nicht wegschauen. Wir wären wie dieser Reiche, der im Vollen lebt, der sich alles leisten kann, der das Leben in vollen Zügen genießt, und den armen Lazarus vor der Haustür nicht einmal bemerkt.
Angesichts dieser Bilder des Elends und himmelschreiender Ungerechtigkeiten brauchen wir genauso die Bilder einer großen Gelassenheit und einer frohen Entschiedenheit. Wir brauchen Bilder von Menschen, aus deren Augen Initiativgeist und Unternehmungslust geradezu heraussprühen. Die Kleine auf dem Plakat der diesjährigen Fastenaktion mag noch etwas schüchtern in die Kamera blicken, auf mich wirkt sie richtig lustig: "Na, ich kann doch richtig schön posieren! Und ich kann noch viel mehr!" Anscheinend hatte sie gar nicht bemerkt, dass sie die Sonnenbrille verkehrt rum auf der Nase hat! Aber gerade das macht ihren Charme aus.
Die guten Ideen sind manchmal ein bisschen verkehrt. Die guten Ideen sind nicht einfach Weiterführung des immer schon Dagewesenen. Die guten Ideen sind wohl immer etwas verrückt, etwas provozierend – und gute Ideen werden wohl oft etwas belächelt. Aber die guten Ideen verändern etwas, beginnen mit Veränderungen. Weil sie den Blick auf Neues lenken. Weil sie durch eben das Neue aufhorchen lassen.
Vielleicht hat die Mutter dem Mädchen ja nachher gesagt, sie hätte die Brille verkehrt rum aufgehabt. Ich höre die kleine Anna sagen: "Na und! Probiert doch mal, die Welt andersherum anzuschauen. Riskiert es doch mal, die Brille andersherum aufzusetzen. Traut euch doch mal was Neues zu! Ihr werdet euch wundern!"
Neulich hörte ich die Geschichte vom traurigen König. Der König grämte sich, weil jedes Mal wenn ein Kind in seinem Reich geboren wurde, ein alter Mensch starb. Einer seiner Berater, der etwas Schelmisches an sich hatte, trat vor den traurigen König und machte den Handstand. Der König wollte sich ärgern, da sagte der Berater: "Lieber König, sehen Sie die Dinge doch mal andersrum: jedes Mal, wenn in Eurem Reich ein Mensch stirbt, wird ein Kind geboren!"
Es könnte ja sein, dass wir merken, wie viele Menschen gute Ideen haben, auch und gerade in den Ländern, die wir so gerne Entwicklungsländer nennen. Ich meine, wir sollten sie wirklich so nennen: denn in diesen Ländern steckt das Potential einer jungen Bevölkerung, das Potential großer Hoffnungen und kühner Träume: dort ist Entwicklung möglich, auch in unkonventionellen und noch nie dagewesenen Schritten. Bei den meisten ist es aber wohl wie mit Erfindern: zu einem bestimmten Zeitpunkt brauchen sie "finanzielle Partner", um die Ideen ganz konkret umzusetzen.
"Die Welt ist voller guter Ideen", die Menschen haben überall auf dieser Erde phantastische Ideen, um das Leben und das Leben aller zu verbessern. Sie brauchen Partner! Technische und finanzielle Partner, um aus Ideen Projekte zu machen, um aus Gedankenspielen konkrete Aktionen zu entwickeln, um aus Hoffnungen Lebenszeichen zu verwirklichen!
Die etwas schüchterne Art des Mädchens auf dem Plakat, "andersherum" zu sehen, soll der Anfang sein können für Veränderungen - zuerst in den Herzen der Menschen, die mit vielen vielleicht noch ungenutzten Möglichkeiten, die "Kultur der Begegnung in der einen Menschheitsfamilie fördern" (Papst Franziskus) – und dann auch in der tatkräftigen Unterstützung der Projekte, in denen neue Ideen umgesetzt werden, um dem Leben zu dienen.


Henri Hamus

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